Löschwasser gesucht: Feuerwehr besichtigt Entnahmestellen außerhalb des Ortskerns

Wenn es brennt, kommt die Feuerwehr und löscht das Feuer. Soweit weiß das jedes Kind. Dazu hat sie im Löschfahrzeug rund 2.000 Liter Wasser dabei. Damit können die gut ausgebildeten Wehrleute der Freiwilligen Feuerwehr Nußloch einen Zimmerbrand löschen, oder einen Schwelbrand in einem Kellerraum. Aber einem größeren Brand, wenn etwa das Dach eines Gebäudes in Flammen steht oder eine Scheune, ist mit dieser Wassermenge nicht beizukommen. Selbst die Tanks eines zweiten oder dritten hinzu gerufenen Löschfahrzeugs reichen dann in der Regel nicht aus.

Innerhalb Nußlochs gibt es eine ausreichende Löschwasserversorgung durch Hydranten, aus denen die Feuerwehr sich jederzeit Wassernachschub zapfen kann. Außerhalb der zentralen Bebauung existieren solche gut ausgelegten Zapfstellen nicht. Eine Herausforderung, der sich die Feuerwehr stellen und für die sie Lösungen finden muss. Die Freiwillige Feuerwehr Nußloch rückte während ihres Übungsabends mit der gesamten Mannschaft aus um sich auf einen möglichen Brandeinsatz an solchen kritischen Stellen der Gemeinde durch Information vorzubereiten. Ziel der Rundfahrt mit beiden Löschfahrzeugen sowie den zwei Mannschaftswagen und rund 25 Wehrleuten waren die außerhalb Nußlochs liegenden, teils einzeln stehende Gebäude sowie der Ortsteil Maisbach. Hier nahmen die Wehrleute die Optionen in Augenschein, die man im Einsatzfall zur Sicherstellung der Löschwasser-Versorgung nutzen kann.

Ein Ziele der Erkundungsfahrt war der Kreuzhof, ein im Feld in Richtung Wiesloch gelegenes Gebäudeensemble. Heute wird die weiträumige, ehemals landwirtschaftliche Anlage als Pferdehof genutzt. 30 bis 40 Tiere sind hier untergebracht, und für sie lagern in den hölzernen Scheunen und Schuppen des Hofs tonnenweise Stroh und Heu. Für die Wasserversorgung existiert zwar eine Wasserleitung zum Hof, aber die ist gerade so dimensioniert, dass sie den nötigen Bedarf für das Tränken der Tiere und wenigen Menschen dort abdeckt. „Ein größeres Feuer kann man damit nicht löschen“, weiß Feuerwehrkommandant Bernd Rensch.

Immerhin existiert am Wegrand vor den Gebäuden ein unterirdisches Wasserdepot, das 50.000 Liter beinhaltet. Aus diesem könnte die Feuerwehr im Ernstfall mit den Pumpen in den Löschfahrzeugen Wasser entnehmen und so einen Brand mit mehreren Rohren über eine Zeitraum von rund 40 Minuten bekämpfen. Ob das reichen würde, um ein brennendes Strohlager zu löschen und gleichzeitig die Wohngebäude vor dem Übergreifen der Flammen zu schützen? Wohl kaum. Deshalb bemüht sich die Feuerwehr seit Jahren darum, wenn schon keine größere Leitung, so doch zumindest hier einen größeren Wasserspeicher zu erhalten. Beim Rundgang durch die Hallen und über das Gelände, an den Strohlagern vorbei, nahmen die Wehrleute alle wichtigen Informationen über die Gegebenheiten auf, diskutierten mögliche Anfahrtswege und die Frage, woher Wassernachschub über längere Schlauchleitungen am besten heranzuschaffen sei.

Nächstes Ziel waren die vier Wohngebäude am Wilhelmsberg, unmittelbar an der Grenze zu Gemeinde Wiesloch auf halber Höhe am Berg gelegen. Hier gibt es eine Wasser-Entnahmestelle, die allerdings reichlich von Unkraut zugewachsen ist. Nach der Besichtigung weiß jetzt jeder, wo dieser Unterflur-Hydrant zu finden ist. Aber auch hier das Problem, dass die bereitstehende Zapfstelle nur einen geringen Wasserdurchfluss bietet, und damit zu wenig Wasser um ein größeres Feuer zu bekämpfen. In einem Fußmarsch über rund 300 Meter in Richtung der Psychiatrischen Klinik (PZM) nahmen die Wehrleute den dort am Wegrand installierten „Brandschieber“ in Augenschein. Wird hier der entsprechende Schieber von der Feuerwehr geöffnet, steigt der Wasserdruck in der Leitung zum Wilhelmsberg und an der Entnahmestelle steht die volle Wassermenge zu Verfügung um mehrere Rohre mit Löschwasser zu versorgen.

Zwei weitere Ziele der Inspektionsfahrt lagen in Maisbach. Einmal von Nußloch aus gesehen vor der Talabfahrt in den Ortsteil, einmal am anderen Ortsende, an der Straße nach Ochsenbach gelegenen landwirtschaftlichen Betrieb. An beiden Stellen befindet sich je ein Wasserspeicher, einmal mit rund 120.000 Liter Inhalt, einmal mit rund 50.000 Liter. Auch besprechen die Wehrleute im Detail wie das Löschwasser im Einsatzfall entnommen werden kann und wie gegebenenfalls Schlauchleitungen in den Ortskern zu verlegen sind. Auch Maisbach mit seinen wenigen Haushalten verfügt nur über eine gering dimensionierte Wasserleitung, die im Falle eines Gebäudebrands nicht die von der Feuerwehr benötigte Wassermenge bereitstellen könnte. „Die Versorgung mit Löschwasser außerhalb des Hydranten-Netzes stellt immer eine große logistische Herausforderung für die Feuerwehr dar“, beschreibt Kommandant Rensch die Rahmendedingen im Einsatzfall. „Immerhin ist durch die inspizierten Anlagen eine Grundversorgung an einigen der neuralgischen Punkten in unserer Gemeinde gewährleistet!“

Text & Bild: Udo Lahm

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