Brand in Flüchtlingsunterkunft Sandhausen: Nächtlicher Alarm für Nußlocher Feuerwehr

27.07.2019: Um ein Uhr morgens reißt das Piepsen des Alarmmelders die Freiwilligen der Feuerwehr Nußloch aus dem Schlaf. Es ist die Nacht auf den Samstag, nachdem bereits am Freitag zweimal der Alarmruf die Männer und Frauen der Wehr zu Einsätzen ins Feuerwehrhaus gerufen hatte. Waren es am Freitag zwei kleinere Routineeinsätze, war es jetzt ein besonders heikles Szenario, mit dem die Leitstelle Ladenburg die Nußlocher aus den Betten riss: „Vollalarm“ der höchsten Stufe „F3“, ein Brand in der Flüchtlingsunterkunft Sandhausen. 

Für jeden der gut trainierten Truppe ist klar, was das bedeuten kann: Menschenleben können hier in Gefahr sein, höchste Eile ist geboten, um die Kameraden der Feuerwehr Sandhausen bei Ihrem Einsatz bei der Brandbekämpfung und gegebenenfalls auch bei der Menschenrettung zu unterstützen. Mit vier Fahrzeugen und rund 20 Feuerwehrfrauen und -männern rückt die Wehr wenige Minuten nach der Alarmierung aus, und schon bei der Anfahrt sehen alle, was auf sie zukommt. Flammen schlagen zu beiden Seiten aus einem Wohncontainer in der ersten Etage, dichter Rauch mit beißendem Geruch nach verbranntem Kunststoff schlägt sich auf die Lungen und nimmt teilweise die Sicht.

Die Kameraden aus Sandhausen haben bereits die Schläuche ausgerollt und mit der Brandbekämpfung begonnen. Rasch sind die Nußlocher zur Stelle, um die Wasserversorgung sicher zu stellen. Ebenso wichtig für den Einsatz sind die Atemschutz-Trupps, die von unserer Wehr bereitgestellt werden. Drei dieser Tandems machen sich fertig, um unter Atemschutzmasken und mit Pressluftflaschen auf dem Rücken den Einsatz an der Brandstelle zu unterstützen und in die Container vorzudringen. Die Suche nach Eingeschlossenen hat Vorrang, zum Glück hatten die Sandhäuser Wehrleute jedoch keine Personen mehr, in den von Flammen und Rauch betroffenen Containern, angetroffen. Alle Bewohner der Unterkunft haben sich selbst ins Freie retten können, wenn auch teilweise nur notdürftig bekleidet und ohne irgendetwas aus ihren Unterkünften mitnehmen zu können. Dennoch müssen sechs Bewohner mit leichter Rauchvergiftung vom Rettungsdienst behandelt werden. Dieser war angesichts des Risikopotenzials der Einrichtung mit einen Großaufgebot angerückt. Fünf Rettungswagen und zwei Notärzte standen bereit, die Verletzten konnten allerdings vor Ort behandelt werden und mussten nicht ins Krankenhaus.

Zwischenzeitlich kämpften die Wehrleute, inzwischen auch von einem Löschzug aus Walldorf verstärkt, gemeinsam gegen Flammen und Rauch. Es dauerte rund 35 Minuten, bis die letzten, immer wieder im Dachbereich hochzüngelnden Flammen erstickt waren. Dann begann die Suche nach versteckten Glutnestern, immer noch unter Atemschutz und in beißendem Rauch. Die Nußlocher Wehrleute durchsuchten mit mehreren Trupps die Container, erklettern Leitern und öffneten dazu mit ihrem speziellen Werkzeug auch verschlossene Stahltüren.

Hunderte Meter Schlauch wurden erst ausgerollt und zur Wasserversorgung angeschlossen, dann wieder eingesammelt und am Ende des Einsatzes in den Fahrzeugen verstaut. Schließlich konnten Markus Zielbauer und Jörn Waldschmidt, der Kommandant der Feuerwehr Sandhausen und sein Stellvertreter, ein den Umständen entsprechend zufriedenstellendes Resümee ziehen: Gefährdete Personen in Sicherheit gebracht, Brand rasch unter Kontrolle bekommen und keine Verletzten auf Seiten der Einsatzkräfte. „Letztlich ein Routineeinsatz“, fasst Zielbauer nach etwa einer Stunde gegenüber den anwesenden Reportern zusammen, mit gelungener Zusammenarbeit aller beteiligten Feuerwehren. Nicht auszudenken was hätte passieren können, bei so vielen in der Unterkunft zusammenlebenden Menschen mit unterschiedlichen Sprachen und entsprechenden Verständigungsproblemen. So war am Ende bei allen Wehrleuten und Rettungskräften die Erleichterung anzumerken, diesen Einsatz gut bewältigt zu haben. Für die ebenfalls mit einem großen Aufgebot angerückte Polizei gab es vor Ort noch einiges zu tun, schließlich ist es unter anderem ihre Aufgabe, die Brandursache zu ermitteln. Nach ersten Erkenntnissen könnte es eine eingeschaltete Heizlampe gewesen sein, die den Brand in einem der Container verursachte. Die Höhe des Sachschadens ist noch nicht absehbar.

Text und Bilder: Udo Lahm

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